Southeast Asian Studies

Working Paper No. 19

Basisgesundheitsversorgung in

Indonesien: Die Bedeutung der

PUSKESMAS für die nationale

Gesundheitsversorgung

Kathrin Mende und Debora Tydecks

ISSN 1437-854X

 

Inhaltsverzeichnis

Seite

1. Einleitung: Die Bedeutung der PUSKESMAS im nationalen Kontext 2

2. Von den ersten Gesundheitsstationen bis zu den PUSKESMAS 4

3. Aufgaben, Finanzierung und Mitarbeitersituation der

PUSKESMAS heute 15

4. Webring Dinkes Karawang:

Ein Beispiel für neue Entwicklungen bei den PUSKESMAS 21

5. Fazit: Akzeptanz und Erfolg des PUSKESMAS Konzeptes 23

6. Abkürzungsverzeichnis 26

7. Quellenverzeichnis 26

8. Anhang 28

1. Einleitung: Die Bedeutung der PUSKESMAS im nationalen Kontext

Die indonesische Regierung hat schon früh erkannt, dass Investitionen in ein

Basisgesundheitssystem zur Reduzierung der Armut, und folglich zu einer

gesünderen, leistungsstärkeren Bevölkerung führen. Dies wiederum kommt in den

meisten Fällen der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zu Gute.

Nach Angaben des indonesischen Gesundheitsministeriums (DEPKESNAS =

Departemen Kesehatan Nasional) gab es 1999 ungefähr 36.000

Basisgesundheitsstationen (PUSKESMAS = Pusat Kesehatan Masyarakat) in

Indonesien. Da jedoch gerade auf den weniger dicht besiedelten Außeninseln die

Anzahl der PUSKESMAS stark schwankt, beziehungsweise die PUSKESMAS

nicht immer ausreichend mit Personal besetzt sind, sollte man oben genannte

Zahl nur als Richtwert betrachten. Dennoch stellen die PUSKESMAS heute

gerade in den ländlichen und dicht besiedelten Gebieten Indonesiens die Basis

des staatlichen Gesundheitssystems dar, und dass, obwohl in Indonesien

traditionelle Medizinsysteme nach wie vor eine herausragende Rolle spielen.

 

Bevor wir im Folgenden die Chronologie der Entwicklung und die Bedeutung der

PUSKESMAS heute betrachten, wollen wir zunächst die Definitionen von

Gesundheit und PUSKESMAS des indonesischen Gesundheitsministeriums

darstellen und erläutern. Zum Abschluss werden wir als Beispiel für neuere

Entwicklung der PUSKESMAS das Internetprojekt der regionalen

Gesundheitsbehörde im Kecamatan Karawang (Subdistrikt Karawang) in West-

Java vorstellen.

· Definitionen von Gesundheit und PUSKESMAS

Das indonesische Gesundheitsministerium betrachtet Gesundheit als ein

Menschenrecht, das nicht nur für ein längeres Leben, sondern auch für gesunde

Arbeitskräfte, und somit für das vom Land benötigte Arbeitspotential sorgt:

Kesehatan adalah milik semua orang, orang sehat tidak hanya memiliki

kemampuan untuk hidup lebih lama, akan tetapi juga merupakan sumber daya

manusia yang berkualitas tinggi.1

In dieser Definition von Gesundheit wird der erstmals auf der 1978 in Alma Ata

stattfindenden Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO = World Health

Organization) erkannte Zusammenhang zwischen Armut, Gesundheit und

wirtschaftlicher Entwicklung eines Landes deutlich. Im Verlauf der Geschichte sah

man Gesundheit sehr lange unter ökonomischer Sichtweise, bei der man annahm,

dass nur gesunde Menschen zu effektiver Arbeit fähig sind. Dennoch investierte

man nicht vorrangig in Gesundheitssysteme, sondern in die Wirtschaft (trickle

down effect). Die Ablösung dieses trickle down effects durch den bottom up -

Ansatz2 führte dazu, dass man nicht mehr vorrangig die Wirtschaft förderte,

sondern vermehrt auf die Bedürfnisse der Armen achtete und besonders auf deren

Zugang zu Gesundheitsversorgung. Mit dem PUSKESMAS Konzept wollte man

somit eine für alle Bevölkerungsschichten, vor allem aber auch für die Ärmsten der

Armen, erschwingliche Basisgesundheitsversorgung bereitstellen.

1Sinngemäße Übersetzung von K. Mende und D. Tydecks:

Jeder Mensch hat das Recht auf Gesundheit. Gesunde Menschen leben nicht nur länger, sondern stellen

auch ein qualitativ hohes und für den Staat wichtiges Arbeitspotential dar.

(www.geocities.com/pkmpamotan/page2.html)

2

Im Gegensatz zur in den 1950er / 1960er Jahren gefahrenen Theorie des trickle down effects, stellt der

bottom up – Ansatz eine gezielte Förderung der Armen dar. Durch verbesserte Lebensbedingungen der

Armen versprach man sich neue Entwicklungsimpulse auf die Gesamtentwicklung des Landes.

 

Als eine Folge dieser Entwicklung stellt sich auch die vom indonesischen

Gesundheitsministerium herausgegebene Definition der PUSKESMAS als sehr

positiv dar:

Pusat Kesehatan Masyarakat adalah satuan organisasi fungsional yang

menyelenggarakan upaya kesehatan yang bersifat menyeluruh, terpadu, merata,

dapat diterima dan dijangkau oleh masyarakat, dengan peran serta aktif

masyarakat dan menggunakan hasil pengebangan ilmu pengetahuan dan

teknologi tepat guna dengan biaya yang dapat dipikul oleh Pemerintah dan

Masyarakat.3

Im Folgenden wollen wir untersuchen, ob und mit welchen Mitteln versucht wird,

diese hochgesteckte Zielsetzung des indonesischen Gesundheitsministeriums

umzusetzen, und in wie fern die bereits vorhandenen PUSKESMAS dieser

Definition entsprechen.

2. Von den ersten Gesundheitsstationen bis zu den PUSKESMAS heute

Die ersten Gesundheitsstationen in Indonesien gab es bereits in den 1950er

Jahren. Sie beruhten jedoch nicht auf einem WHO Konzept, sondern entstanden

im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Diese kleinen,

unregelmäßig auf Java verteilten Gesundheitsstationen, die balai pengobatan

(Klinik) genannt wurden, befassten sich hauptsächlich mit der Mutter und Kind

Fürsorge.

Die erste nach PUSKESMAS Konzept aufgebaute Gesundheitsstation wurde 1956

im Subdistrikt Lemah Abang auf Java gegründet. Im Gegensatz zu den balai

pengobatan stand im PUSKESMAS Konzept die Gesundheitsversorgung für die

breite Bevölkerungsschicht, und nicht die Mutter und Kind Fürsorge, im

Vordergrund. Vor allem ein ausgeprägter Teamgeist, der für eine reibungslose

Zusammenarbeit im Team sorgen sollte, wurde groß geschrieben. Nach dem Start

dieses Pilotprojektes wurden in den 1960er Jahren noch zahlreiche

Gesundheitsstationen nach diesem Muster gegründet.

3 Sinngemäße Übersetzung von K. Mende und D. Tydecks:

PUSKESMAS ist eine funktionale Organisation, welche unter Einbeziehung der Bevölkerung umfassende,

von allen erreichbare, sowie standarisierte Gesundheitsdienstleistungen, unter Berücksichtigung und Nutzung

von Ergebnissen aus Wissenschaft und Forschung, zur Verfügung stellt. Finanziert wird sie von der

Regierung und der Bevölkerung. Im Vordergrund steht der Dienst an der Bevölkerung mit der Prämisse, den

optimalen Grad der Gesundheit zu erzielen.

www.depkes.go.id/IND/INFO/PUSKESMAS/puskes/Puskesmas.htm (Pusat Kesehatan Masyarakat)

 

5

Um dem System mehr Struktur und Transparenz zu verleihen, organisierte man

1967 ein nationales Seminar, auf dem das PUSKESMAS Konzept diskutiert und

auf organisatorischer Ebene neu gestaltet werden sollte. Die Vorschläge zur

Neuorganisation von Dr. Achmad Dipologo und Professor Bagiastra bewirkten,

dass die PUSKESMAS in unterschiedliche Verwaltungs-und

Zuständigkeitsbereiche unterteilt werden sollten.4

Die Grundidee, Basisgesundheitsversorgung für Alle durch die PUSKESMAS

bereitzustellen, sollte in ihrem Kern jedoch nicht berührt werden.

Die endgültige Umsetzung der Neuorganisation erfolgte 1968 durch die

Beschlüsse der ersten nationalen Arbeitsgruppe zum Thema Gesundheit

(RAKERKESNAS = Rapat Kerja Kesehatan Nasional), die die PUSKESMAS in

vier verschiedene Gruppen einteilte:

1) Hilfs-PUSKESMAS in abgelegeneren Gebieten (PUSKESMAS Pembina

oder PUSKESMAS Pembantu), einschließlich mobiler Gesundheitsdienste

(PUSKESMAS Keliling)

2) PUSKESMAS auf Dorfebene (Tingkat Desa)

3) PUSKESMAS auf Subdistriktebene (Tingkat Kecamatan)

4) PUSKESMAS in der Hauptstadt eines Landkreises (Tingkat Ibu Kota

Kabupaten)

Die Einteilung der PUSKESMAS bestimmte hauptsächlich die örtlichen

Verantwortungsbereiche der einzelnen PUSKESMAS, und stand nicht für eine

programmatische Unterschiedlichkeit.5 Nach wie vor und trotz dieser Einteilung

wurden die PUSKESMAS von Jakarta ausgehend zentralistisch verwaltet. Das

bedeutete, dass sowohl alle Gesundheitsprogramme, als auch die konkreten

Schritte für deren Umsetzung vom Staat vorgeschrieben wurden.

Erst später, im Rahmen des Dezentralisierungsprozesses, legte die indonesische

Regierung fest, dass die konkrete Durchführung der staatlichen Gesundheitspläne

und Gesundheitsprogramme in eigenem Ermessen auf lokaler Ebene vonstatten

gehen sollte. Die benötigte Infrastruktur, wie Ausbildungsmöglichkeiten,

4 Perkembangan Puskesmas, S. 1

5 Perkembangan Puskesmas, S. 1

 

6

Ausstattungen der PUSKESMAS etc., wurde aber weiterhin von der Regierung

bereitgestellt.6

• Die Entwicklungspläne der indonesischen Regierung

Bereits 1969 startete Indonesien sein Entwicklungsprogramm zur kontinuierlichen

Weiterentwicklung des Landes. Die organisatorische Einteilung in Fünfjahrespläne

(REPELITA = Rencana Pembangunan Lima Tahun) schuf eine relativ hohe

Flexibilität für die Regierung, so dass diese auf die jeweiligen Entwicklungen und

aktuellen Probleme sowohl im nationalen, als auch im internationalen Kontext

verhältnismäßig leicht reagieren konnte.

Im Vordergrund des Entwicklungsprogramms stand zunächst die wirtschaftliche

und politische Stabilisierung7 des Landes mit Schwerpunkt auf der Förderung der

Landwirtschaft; soziale Probleme waren dieser Zielsetzung zunächst

untergeordnet. Im Verlauf des Programms wurde diese Zielsetzung jedoch durch

eine neue ersetzt: Die Sicherung der Grundbedürfnisse erlangte oberste Priorität,

wodurch der Lebensstandard der Bevölkerung gehoben werden sollte.

Bis einschließlich 1999 gab es insgesamt sechs Fünfjahrespläne mit

unterschiedlicher Schwerpunktlegung.

Während es in den REPELITA I – II nur nicht näher bestimmte Zielvorgaben gab,

wurden im REPELITA III das erste Mal drei feste Ziele bestimmt, die sogenannte

Entwicklungstrilogie (Trilogi Pembangunan):

1. Gleichmäßigere Verteilung der Ergebnisse des wirtschaftlichen Fortschritts und

dadurch eine Steigerung der Wohlfahrt für die gesamte Bevölkerung;

2. ausreichend hohes Wachstum;

3. nationale Stabilität.8

In den folgenden REPELITA sollte besonders das wirtschaftliche Wachstum

gefördert werden, wodurch es zu einem Bedeutungszuwachs der Industrie

gegenüber der Landwirtschaft kam. Zusätzlich legte man vor allem in den

REPELITA V und VI das Hauptaugenmerk auf die Armutsbekämpfung. Dieses Ziel

sollte vor allem durch eine verbesserte Infrastruktur und ein weiterentwickelteres

Erziehungswesen, und somit durch gleichmäßigere Entwicklung, erreicht werden.

6

Mündliche Mitteilung von Frau Prof. Dr. S. Gerke.

7 Eva Schwinghammer, S. 109

8 Eva Schwinghammer, S. 110

 

Die staatlichen Entwicklungsausgaben wurden während der REPELITA auf

folgende Bereiche festgelegt:

1. Landwirtschaft und Bewässerung

2. Industrie, Bergbau und Energiewirtschaft

3. Transport und Kommunikationswesen

4. Regionale und lokale Entwicklung

5. Staatliche Unternehmen

6. Bildungswesen

7. Gesundheitswesen und Familienplanung

8. Sonstige

Obwohl die Ausgaben für das Gesundheitswesen und für die Familienplanung im

Laufe der Zeit stetig erhöht wurden, lagen sie weiterhin weit unter den Ausgaben,

die für andere Bereiche einkalkuliert wurden. Dennoch hat sich auch im diesen

beiden Bereichen Vieles verbessert.

· REPELITA I

Mit dem ersten REPELITA (1969-1974) begann die indonesische Regierung

vermehrt mit internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten, insbesondere

mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF = United Nations

Children´s Fund). Gemeinsam wurden Programme zur Verbesserung der

Basisgesundheitsversorgung, aber auch zur Hygieneerziehung in Schulen und

anderen Einrichtungen in dörflichen Gegenden entwickelt, die zum Teil heute noch

laufen. Diese Programme wurden und werden immer in Zusammenarbeit mit den

PUSKESMAS Mitarbeitern vor Ort geplant und organisiert.

Als Beispiel für ein Hygieneerziehungsprogramm in Indonesien findet man u.a. auf

der UNICEF Homepage einen Link10 zu zwei Projekten, die von UNICEF mit den

Schülerinnen und Schülern der Grundschule Banjar Sari auf Lombok durchgeführt

werden:

Zum einen das Projekt Dokter Kecil (Kleine Doktoren), an dem Schüler im Alter

von neun bis elf Jahren teilnehmen können. Ziel des Programms ist eine

umfassende Vermittlung von Wissen über Gesundheit und Hygiene, das nicht

(nur) in Form von frontalen Vorträgen, sondern kindgerecht auch mit anderen

Methoden vermittelt und direkt von den Kindern umgesetzt werden soll. Zum

Beispiel durch das Einstudieren eines Theaterstückes, das dann den Eltern und

9 Eva Schwinghammer, S. 146

10 Programme d’hygiène et d’assainissement à l’école au Lombok de l’Est, en Indonésie

 

der Dorfgemeinschaft vorgeführt wird. Auf diese Art und Weise wird nicht nur

Wissen, sondern direkt die Umsetzung dieses Wissens zum Beispiel in Form von

Hygieneregeln (vor dem Essen Hände waschen etc.) vermittelt. Dadurch, dass

die Kinder als Vermittler fungieren, wird das Wissen und dessen Anwendung

häufig eher von den Eltern und auch älteren Personen beachtet und akzeptiert, als

wenn es von einem (evtl. als höhergestellt angesehenen) Entwicklungshelfer oder

einer anderen außenstehenden Person vermittelt würde. Die Schüler wiederum

lernen zu kommunizieren, Probleme zu analysieren, Problemlösungen zu

entwickeln und die so neu gewonnen Erkenntnisse dann weiter zugeben. Im Laufe

dieses Programms wurden neben den oben genannten Themen auch andere

Themen wie Müllbeseitigung, Umwelterziehung etc. behandelt.

Zum anderen wird auf der UNICEF Homepage das Projekt Jumat Bersih (sauberer

Freitag) vorgestellt. Im Rahmen dieses Projekts reinigen Schülerinnen und

Schüler gemeinsam mit Projektmitarbeitern vor Ort wöchentlich einen Ort in ihrer

Umwelt, wie die Moschee, die Schule, den Schulgarten, Abflusskanäle usw..

Durch bewusstes Erleben einer sauberen Umwelt fühlen sich die Schüler und

Schülerinnen im allgemeinen wohler, und neben der Konzentrationsfähigkeit steigt

somit auch das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt und der

Dorfgemeinschaft. Auch in diesem Projekt setzt die Projektleitung nicht auf

frontale Vorträge, sondern auf Lernen durch aktives Erleben und Mitarbeiten.

Die Zusammenarbeit mit den PUSKESMAS gestaltet sich in diesem Projekt durch

Mitarbeit sowie monatliche Hygienekurse, zu denen die Schülerinnen und Schüler

eingeladen werden. Zusätzlich gibt es wöchentlich angebotene

Gesundheitsuntersuchungen in den Schulen.

Außer dem Beginn der internationalen Zusammenarbeit brachte der REPELITA I

eine Neuaufteilung der PUSKESMAS in ihren Verantwortungsbereichen. Durch

die stetig quantitative Zunahme der PUSKESMAS, den dadurch wachsenden

Verwaltungsaufwand, sowie den massiven Mangel an qualifiziertem Personal,

wurden die PUSKESMAS nur noch in PUSKESMAS auf Dorfebene (PUSKESMAS

Tingkat Desa), PUSKESMAS auf Subdistriktebene (PUSKESMAS Tingkat

Kecamatan) und in Hilfs-PUSKESMAS (PUSKESMAS Pembina oder

 

PUSKESMAS Pembantu) unterteilt.11 Vor allem das Konzept der Hilfs-

PUSKESMAS, die von einem höher eingestuften PUSKESMAS mit Personal und

Material versorgt werden und nicht immer besetzt sind, half bei der Einsparung

von Kosten und Personal. Dennoch bestand auch trotz der Einrichtung der Hilfs-

PUSKESMAS immer noch ein Mangel an ausgebildetem Personal zu einem

eklatanten Versorgungsengpass auf den äußeren Inseln Indonesiens.

· Die Mitarbeitersituation in den Anfängen der PUSKESMAS

Um diesem Versorgungsengpass gerade auch auf den weniger dicht besiedelten

Außeninseln entgegenzuwirken, schickte man ab 1969 junge, fertig studierte Ärzte

für einen drei-bis fünfjährigen Dienst in öffentliche Gesundheitszentren. Da das

Medizinstudium teilweise vom Staat finanziert wurde, hatte dieser Dienst

verpflichtenden Charakter, und nur wer ihn absolvierte bekam seine Lizenz zum

eigenen Praktizieren verliehen. Da sich schnell herausstellte, dass kaum ein

Hochschulabsolvent für seinen Dienst freiwillig einen abgelegenen Einsatzort

aussuchte, wurde die freie Wahl des Ortes bald gegen ein vom Staat bestimmten

Einsatzort ausgetauscht.12 Die Gründe, warum abgelegenere Einsatzstellen in der

Regel nicht freiwillig gewählt wurden, waren vielfältig und spielen auch heute bei

der Wahl des späteren Arbeitsortes noch eine Rolle:

PUSKESMAS in abgelegeneren Gebieten fordern, bedingt durch ihre dürftige

Ausrüstung, hohe Improvisationsfähigkeiten, die viele Medizinabsolventen, aber

auch Ärzte mit langjähriger Berufserfahrung, überfordern. Darüber hinaus kommen

viele Ärzte mit der Notwendigkeit, sich erst in einem meist völlig neuen Kulturkreis

einfinden und eingliedern zu müssen, nicht zurecht, was ethnische und kulturelle

Probleme und Konflikte hervorruft. Auch wird viel zu wenig berücksichtigt, dass

jeder Kulturkreis eigene Methoden und Riten zur Behandlung von Krankheiten hat,

und dass sich Ärzte von außerhalb weder mit diesen, noch mit regional

spezifischen Krankheiten und Gegebenheiten ausreichend auskennen. Die

mangelhafte Vorbereitung auf den neuen Einsatzort und die dort ansässigen

Menschen führt dazu, dass die ausgesendeten Ärzte in den jeweiligen Gebieten

als Fremde angesehen und auch so behandelt werden, was ein erfolgreiches

Arbeiten nicht gerade fördert und / oder auch ganz verhindern kann. Auch hatten

die jungen Ärzte, aber auch deren Eltern, das Gefühl, dass sie durch die

11 Perkembangan Puskesmas, S. 2

12 Injil Abu Bakar, Quick Fix at the Puskesmas, S. 4

 

Tatsache, dass sie in der Realität ihr an den Universitäten erworbenes Wissen

meistens nicht adäquat einsetzen konnten, die langwierige und kostspielige

Ausbildung nicht gelohnt hat.

Eine Arbeitsstelle in den infrastrukturell gut ausgebauten Gebieten war und ist

auch deshalb so viel beliebter, da die Gehaltsaussichten durch inoffizielle

Nebenverdienste wesentlich höher sind als in abgelegeneren Orten. Vor allem in

touristischen Gebieten ist die Hoffnung groß, dass man durch die Behandlung

ausländischer Patienten in kurzer Zeit sehr viel Geld verdient.13

Um Frust und Unmotivation zu vermeiden, initiierte die indonesische Regierung

unter anderem einen Studiengang an der Universitas Indonesia14 , der sich speziell

mit den Problemen der ländlichen Gesundheitsversorgung befasste. Die

Absolventen sollten besonders für die Arbeit in der Basisgesundheitsversorgung

der ländlichen Gebiete qualifiziert werden. Der Studiengang verfehlte jedoch sein

Ziel, da die meisten Absolventen wegen der besonders guten Ausbildung und dem

damit verbundenen Ansehen eher ins Ausland gingen oder in den

Gesundheitsministerien arbeiteten.15

Im Rahmen des RAKERKESNAS III von 1970 wurde wegen des

weiterbestehenden gravierenden Personalmangels und dem immer noch hohen

Verwaltungsaufwand beschlossen, dass die Aufteilung der PUSKESMAS zu

Gunsten einer einzigen PUSKESMAS Form aufgegeben werden sollte. Des

weiteren wurden zum ersten Mal Arbeitsprogramme und Arbeitsbereiche für

PUSKESMAS festgelegt, wie zum Beispiel das Programm zur Wohlfahrt von

Mutter und Kind (KIA = Kesejahteraan Ibu dan Anak), das Programm zur

Familienplanung (KB = Keluarga Berencana), die Prävention und Bekämpfung von

ansteckenden Krankheiten, Hygiene-und öffentliche Gesundheitspflege,

Gesundheitserziehung sowie die Datensammlung zur Planung und Bewertung von

Programmen.16

13 Injil Abu Bakar, Quick Fix at the Puskesmas, S. 4

14 Die Universitas Indonesia (Indonesien-Universität) ist eine staatliche Universität in Jakarta.

15 Lehrforschung, Einführungsteil, S. 28

16 Perkembangan Puskesmas, S. 2

 

Während des ersten Fünfjahresplanes kam es durch die oben aufgeführten

Maßnahmen und Beschlüsse zu einer quantitativen Ausweitung von PUSKESMAS

im gesamten Inselreich: Während es 1970 landesweit erst 1.058 PUSKESMAS

gab, waren es 1973 / 1974 schon 2.343 PUSKESMAS. Das bedeutet, dass der

durchschnittliche Einzugsbereich eines PUSKESMAS bei ca. 50.000 Menschen

auf Java und Bali, und bei ca. 95.000 Menschen auf den Außeninseln lag.17

· REPELITA II

Der zweite Fünfjahresplan von 1974 -1979 verfolgte zumindest im

Gesundheitsbereich ehrgeizige Ziele.18 Das Netz der PUSKESMAS sollte

dahingehend ausgeweitet werden, dass in jedem Verwaltungsbezirk mindestens

ein PUSKESMAS vorhanden sein sollte. Vermehrte und sorgfältigere Einarbeitung

und Fortbildungen von und für PUSKESMAS Mitarbeiter und Helfer in

unterschiedlichen Themenbereichen, wie zum Beispiel Gesundheitsversorgung

und Hygiene, sowie vermehrte Bereitstellung von qualitativ besseren

Medikamenten von Seiten des Staates, sollten eine höhere Effizienz der

PUSKESMAS garantieren, so dass einfache und häufig auftretende Krankheiten

unverzüglich und effektiv behandelt werden können. Durch die verbesserte

Ausstattung sollten auch vermehrt wieder junge Ärzte dazu ermuntert werden in

einem PUSKESMAS zu arbeiten. Aber nicht nur durch die Einstellung junger

Ärzte, sondern auch durch das Anwerben anderer Hilfskräfte sollte der eklatante

Personalmangel ausgemerzt werden. Diese Hilfskräfte waren meist medizinisch

nicht ausgebildete Frauen aus den Dörfern, die zunächst in die wichtigsten

medizinischen Grundlagen eingewiesen wurden. Da sich die Personalsituation

auch in den Folgejahren nicht besserte, wurden diese behelfsmäßig eingestellten,

ungelernten Arbeitskräfte zu einem wichtigen Personalbestandteil der

PUSKESMAS in ganz Indonesien.

Auch wurde das Oberziel der PUSKESMAS, nämlich Basisgesundheitsversorgung

für die Ärmsten der Armen bereitzustellen, neu überdacht. So stellte man fest,

dass wegen hoher Transportkosten und schlecht ausgebauter Straßen in

17 Perkembangan Puskesmas, S. 2; in Azwar, A. / Prihartono, J., S.119, wird angegeben, dass es 1973 / 1974

ca. 2.508 PUSKESMAS in ganz Indonesien gab, und das Verhältnis von PUSKESMAS zu Einwohner auf

Java und Bali somit 1:40.000 betrug.

18 Perkembangan Puskesmas, S. 2f.

 

ländlichen Gebieten ein Großteil der Zielgruppe das Angebot der PUSKESMAS

überhaupt nicht nutzen konnte. Ein erklärtes Ziel des REPELITA III war somit die

Reichweite der PUSKESMAS zu erhöhen. Teilweise löste man dieses Problem mit

der Eröffnung von neuen PUSKESMAS, oder mit der Einrichtung von nicht immer

besetzten Hilfs-PUSKESMAS. Wo Personal – und Geldmittel für Neueröffnungen

fehlten, setzte man PUSKESMAS Keliling ein, die es auch heute noch gibt. Das

heißt, um auch in abgelegeneren Gebieten Zugang zu

Basisgesundheitsversorgung zu gewährleisten, fahren an bestimmten Tagen

Mitarbeiter der PUSKESMAS mit voll ausgestatteten Fahrzeugen (Boote, Mopeds,

Geländetüchtigen Autos etc.) auf die Dörfer. Neben der

Basisgesundheitsversorgung führen sie auch Kurse in Hygiene-und

Gesundheitserziehung sowie Gesundheitspflege in den Schulen und anderen

Einrichtungen durch. Insbesondere werden auch die Wasserstellen auf den

Dörfern begutachtet und Aufklärung über gesundheitliche Folgen von

verunreinigtem Wasser angeboten.

Voraussetzung für ein effektives und erfolgreiches Arbeiten der PUSKESMAS

Keliling war und ist die Bereitstellung von Fahrzeugen für die PUSKESMAS durch

die Regierung.

Wie bereits Ende des REPELITA I sind auch am Ende des zweiten REPELITA

Fortschritte in der quantitativen Verbreitung der PUSKESMAS erkennbar. Gab es

1973 / 1974, also am Ende des ersten REPELITA, ca. 2.343 PUSKESMAS in

ganz Indonesien, so verdoppelte sich deren Anzahl beinahe bis zum Jahr 1979

auf ca. 4.500 PUSKESMAS.19 Auch diese Zahlenangaben sind wegen der hohen

Fehlerquote mit Vorsicht zu genießen. Wie unvollständig und teilweise auch

widersprüchlich die Statistiken sind lässt sich auch daran erkennen, dass sich für

das Verhältnis der PUSKESMAS zu den Einwohnern in diesen Zeitraum leider nur

eine Zahl für Java und Bali finden ließ, so dass ein direkter Vergleich zum

Ergebnis des REPELITA I für die Außeninseln leider nicht möglich ist. Zum Ende

des REPELITA II war ein PUSKESMAS auf Java oder Bali Anlaufstelle für

durchschnittlich 43.000 Einwohner.

19 Lehrforschung, Einführungsteil, S. 28

 

· REPELITA III – VI

Obwohl auch die folgenden Fünfjahrespläne, also REPELITA III bis REPELITA VI,

für die Entwicklung des Gesundheitswesen und die Armutsbekämpfung in

Indonesien wichtig und fördernd waren20, sollen sie hier nur kurz mit ihren

Schwerpunkten dargestellt werden, da sie für das PUSKESMAS Konzept an sich

keine großen Neuerungen mehr brachten.

Während des REPELITA III (1979 -1983) wurde, ähnlich wie in den

vorhergehenden Fünfjahresplänen, verstärkt Wert auf die quantitative Ausweitung

der PUSKESMAS gelegt. Damit sollte erreicht werden, dass auch in den

entlegensten Gebieten Basisgesundheitsversorgung sichergestellt wird. Praktisch

sah das so aus, dass in eben diese Gebiete in bestimmten Abständen Ärzte

geschickt wurden, die dann für ein paar Tage blieben, um die ansässige

Bevölkerung zu versorgen und zu beraten.

Qualitätsverbesserung und höhere Effektivität der medizinischen Versorgung

waren erklärte Ziele im REPELITA IV (1984 -1988). Ein höherer Etat für das

Gesundheitswesen sollte eine modernere medizinische Ausstattung ermöglichen,

die wiederum als Schlüssel zur Qualitätsverbesserung angesehen wurde. Um den

weiter andauernden Personalmangel zu lindern, sollten zusätzlich Menschen aus

der Bevölkerung ausgebildet, und als Hilfsmitarbeiter eingestellt werden.

Bei den Planungen zum REPELITA V (1989 – 1993) wurde festgestellt, dass

gerade in Ost-Indonesien, und dort vor allem auf den Molukken und in Irian Jaya,

die Basisgesundheitsversorgung noch mangelhaft, bzw. gar nicht gewährleistet

war, und somit stärker gefördert werden müsse. So wurden PUSKESMAS in ganz

abgelegenen Gebieten ohne Elektrizität zum Beispiel Solarzellen zur Verfügung

gestellt.

In Anlehnung an das vom Präsident Soeharto initiierte Programm Inpres Desa

Tertinggal21 stand auch im REPELITA VI (1994 -1999) die Förderung von

abgelegenen Gebieten im Vordergrund. Waren es im REPELITA V noch

20 Perkembangan Puskesmas, S.3

21

Das Programm Inpres Desa Tertinggal (Präsidenteninstruktion im Bezug auf die rückständigsten Dörfer)

wurde 1994 von Soeharto zur Armutsbekämpfung initiiert, und dauerte bis 1996. (Seminar Dezentralisierte

Armut und Gesundheitsentwicklung in Indonesien, Prof. Dr. S. Gerke)

 

hauptsächlich Gebiete in Ost-Indonesien die verstärkt gefördert wurden, so bezog

sich die Förderung nun auf abgelegene und rückständige Gebiete in ganz

Indonesien, wobei die Außeninseln natürlich stärker betroffen waren als das dicht

besiedelte Java. Da man auch bis zu diesem Zeitpunkt das Problem des

Personalmangels noch nicht in den Griff bekommen hatte, wurden im Zuge der

Förderung während des REPELITA VI vermehrt Arbeitskräfte als nicht ständige

Angestellte eingestellt.

REPELITA I – VI hatten im großen und ganzen erheblichen Einfluss auf die

Entwicklung des Gesundheitswesen im Allgemeinen und auf das PUSKESMAS

Konzept im Speziellen. Anhand des zu ihnen gesammelten Datenmateriales kann

man ein erstes Fazit über die verbesserte Gesundheitsversorgung in Indonesien

ziehen.

In Tabelle 1 und 2 sind die durchschnittliche Lebenserwartung in Indonesien bei

Geburt, sowie die durchschnittliche Säuglingssterblichkeit in Indonesien pro 1000

Lebendgeburten Ende der 1960er Jahre (zu Beginn der Fünfjahrespläne), Ende

der 1990er Jahre (nach Abschluss der Fünfjahrespläne) und für das Jahr 2001

(als aktuellster Stand) eingetragen. In beiden Fällen kann man auf eine

verbesserte Gesundheitslage schließen.

Tabelle 1:

Ø Lebenserwartung in

Indonesien bei Geburt

Ende der 1960er Jahre 46 Jahre

Ende der 1990er Jahre 62,7 Jahre

2001 65,9 Jahre

Quelle: www.reintegration.net/indonesien/#Gesundheitswesen (Zahl Ende der 1990er Jahre) /

http://www3.who.int/whosis/country/indicators.cfm?country=IDN&language=english ( WHO

Homepage, Zahl 2001) / http://www.psychologie.uni-freiburg.de/umwelt-spp/proj/proj-22.html

(Zahlen Ende der 1960er Jahre)

 

Tabelle 2:

Ø Säuglingssterblichkeit

in Indonesien pro 1000

Lebendgeburten

Ende 1960er Jahre 120

Ende der 1990er Jahre 51

2001 45 22

Quelle: www.reintegration.net/indonesien/#Gesundheitswesen (Zahl Ende der 1990er Jahre) /

http://www3.who.int/whosis/country/indicators.cfm?country=IDN&language=english ( WHO

Homepage, Zahl 2001) / http://www.psychologie.uni-freiburg.de/umwelt-spp/proj/proj-22.html

(Zahlen Ende der 1960er Jahre)

Neben diesen Verbesserungen litten auch immer weniger Kleinkinder unter fünf

Jahren an Nährstoff-und Vitaminmangel, wodurch auch Erblindungen in Folge

von Vitamin A-Mangel zurückgingen.

Jedoch lag auch nach Abschluss der Fünfjahrespläne die Müttersterberate nach

der Geburt noch immer bei 390 Sterbefällen auf 100.000 Lebendgeburten23, was

im Vergleich zu anderen ASEAN (Association of South East Asian Nations)

Ländern recht hoch war. Auch heutzutage stellt die Müttersterblichkeit noch immer

ein massives Problem dar. Bis jetzt kann man sich auch nicht erklären, warum

ärmere Länder der Region wie zum Beispiel Laos, Kambodscha oder Burma,

niedrigere Müttersterberaten aufweisen als Indonesien.24

3. Aufgaben, Finanzierung und Mitarbeitersituation der PUSKESMAS heute

Nach Angaben des indonesischen Gesundheitsministeriums gab es 1999 7.195

PUSKESMAS auf Subdistriktebene, von denen einige auf die Betreuung von

schwangeren Frauen und Geburtshilfe spezialisiert sind. 6.450 mobile

Gesundheitsdienste und 21.417 nicht immer besetzte Hilfs-PUSKESMAS in

entlegeneren Gebieten und Stadtteilen runden das Angebot ab.25

22 Auf der Indonesien Seite der WHO Homepage sind für die Säuglingssterblichkeit geschlechtsspezifische

Werte (männlich 50 / weiblich 40 auf 1000 Lebendgeburten) angegeben. Die von uns angegebene Zahl stellt

den Mittelwert dar!

23

www.reintegration.net/indonesien/#Gesundheitswesen

24 Seminar Dezentralisierte Armut und Gesundheitsentwicklung in Indonesien, Prof. Dr. S. Gerke

25

Pusat Kesehatan Masyarakat, S.2

 

· Die Aufgaben eines PUSKESMAS heute

Heutzutage gehen die Aufgaben eines PUSKESMAS viel weiter als nur reine

Basisgesundheitsversorgung in Form von ambulanter Behandlung für die breite

Bevölkerung bereitzustellen. Je nach Lage, Status und Ausstattung eines

PUSKESMAS nimmt es unterschiedlich viele Aufgaben war. Neben ambulanter

Behandlung und der Versorgung der Patienten mit Medikamenten bieten viele

PUSKESMAS mittlerweile zahnmedizinische Behandlungen,

Laboruntersuchungen sowie Kurse, Aktionen und Informationsveranstaltungen zur

Hygiene-und Gesundheitspflege vor allem in Gemeinden und Schulen an. Die

bereits beschriebenen Programme von UNICEF in Zusammenarbeit mit der

indonesischen Regierung sind hierfür ein gutes Beispiel. Die landesweite

Durchführung von Regierungsprogrammen zur Gesundheit und Wohlfahrt, wie

etwa das Programm für die Wohlfahrt von Mutter und Kind (KIA), das Programm

zur Familienplanung (KB) sowie das Wiegeprogramm für Kinder bis zu fünf Jahren

zur Überprüfung des Wachstums und zur Sicherstellung der richtigen Ernährung

BALITA (Bawah lima tahun) unterliegt ebenfalls den PUSKESMAS und deren

Helfer. Darüber hinaus sollen die PUSKESMAS als Kontrollstationen bei

ansteckenden Krankheiten oder Epidemien und als Zentren zur Datensammlung

zur Planung und Bewertung von verschiedenen Gesundheitsprogrammen

fungieren. Einige PUSKESMAS verfügen auch über einen eigene

Lehrkräutergarten.

· Finanzierung der PUSKESMAS

Da die PUSKESMAS staatliche Einrichtungen sind, werden sie auch größtenteils

vom Staat finanziert, das heißt, die Kosten für Gehälter und Ausstattung werden

zum einen vom Staatshaushalt, und zum anderen von den Provinzhaushalten

getragen. Die Gesamtausgaben für Gesundheit26 in Indonesien lagen 2002 nach

Angaben der WHO bei 2,7% des Bruttoinlandsproduktes, bzw. bei 12 US$ pro

Kopf.27

26

Die Gesamtausgaben für Gesundheit (total health expenditure) umfasst nach einer Definition der WHO:

the sum of Public Health Expenditure (PHE) and Private Health Expenditure (PvtHE)”.

(http://www.who.int/country/idn/en/)

27 Zum Vergleich: In Malaysia lagen die Gesamtausgaben für Gesundheit 2000 bei 2,5% des BIP, bzw. bei

101 US$ pro Kopf (davon 58,8% staatliche und 41,2% private Ausgaben), in Deutschland machten sie im

gleichen Jahr 10,6 % des BIP, bzw. 2,422 US$ pro Kopf aus (davon 75,1% staatliche und 24,9% private

Ausgaben) (http://www.who.int/country/mys/en/ Malaysia) und (http://www.who.int/country/deu/en/

Deutschland)

 

Jedoch sind davon nur 25,5% öffentliche (also vom Staat getätigte) Ausgaben.28

Im Vergleich zum Jahre 200029 fielen die Ausgaben pro Kopf im Jahre 2002 um 7

US$, der Anteil der staatlichen Ausgaben stieg von 23,7% auf 25,5%, wodurch der

Anteil der privaten Ausgaben von 76,3% auf 74,5% sank.

Diese restlichen 74,5% der Ausgaben für Gesundheit vom BIP in Indonesien, und

somit den weitaus größten Anteil der Gesamtgesundheitsausgaben, werden von

Privathaushalten bestritten. Von den ausgegebenen Geldern profitieren nicht nur

Apotheken, Medikamentenläden und traditionelle Heiler, sondern auch die

PUSKESMAS. Neben den staatlichen Mitteln stehen den PUSKESMAS mit den

Beiträgen der Patienten somit weitere, wenn auch nur bescheidene, Geldsummen

zur Verfügung.

Obwohl das Staatsbudget für Gesundheit in den 1990er Jahren immer wieder

erhöht wurde (1993 / 1994: 3,2%; 1997 / 1998: 4,7%)30 reichten die von der

Regierung für die PUSKESMAS bereitgestellten Mittel oft nicht aus, um alle

PUSKESMAS mit einer ausreichenden Anzahl von qualifizierten Mitarbeitern,

Medikamenten und angemessener Ausstattung zu versorgen. 2002 sank der

Anteil der Ausgaben für Gesundheit wieder auf 3,3 % der gesamten

Regierungsausgaben, was dem Personalmangel und der schlechten

Ausstattung in den PUSKESMAS nicht gerade dienlich ist.

· Tarife für PUSKESMAS Dienstleistungen

Nach den verschiedenen PERDA (Peraturan Daerah)31 sind die Tarife für eine

Behandlung für alle PUSKESMAS regional festgelegt.32 Sie betragen in der Regel

für eine Behandlung am Morgen 2000 Rupiah und für eine Behandlung am

Nachmittag 5000 Rupiah33, wobei eine Behandlung in der Regel ein Gespräch mit

einem Doktor oder einer Krankenschwester, sowie die Ausgabe von

Medikamenten beinhaltet. Meistens werden drei verschiedene Medikamente

28 WHO, (http://www.who.int/country/en abgerufen im August 2002)

29 http://www3.who.int/whosis/country/indicators.cfm?country=IDN&language=english

30

http://www.reintegration.net/indonesien/#Medizinische%20Versorgung

31 Eine Peraturan Daerah ist eine Verordnung der Lokalregierung. Nachdem im Rahmen der

Dezentralisierungsprozesse in Indonesien die konkrete Durchführung der staatlichen Gesundheitspläne auf

die Lokalregierung übertragen wurde, regelten solche Lokalverordnungen alle Angelegenheiten der

PUSKESMAS auf regionaler Ebene.

32 SH, ruth hesti utami, Ketika Tarif Berobat di Puskesmas Tidak Transparan, Sinar Harapan,

33 Umrechnungskurs Ende März 2003 1 € = 9.582,68 Rupiah (Südostasien aktuell, 4 / Juli 2003)

 

ausgegeben: fast immer ein Vitaminpräparat (oft auch in Form einer Spritze),

häufig ein Beruhigungs-oder Schmerzmittel sowie ein weiteres,

krankheitsbedingtes Medikament. Dies liegt daran, dass viele Indonesier glauben,

dass, je bunter und vielfältiger die Medikamente sind, sie umso schneller gesund

werden.34 Kann ein Patient mit einer Bescheinigung des Dorfoberhauptes

nachweisen, dass er nicht über ausreichende Mittel verfügt, um die PUSKESMAS

Tarife zu bezahlen, so kann er einen verbilligten Tarif bekommen oder sogar, wie

auch Schulkinder und Beamte, von den Zahlungen befreit werden.35 Darüber

hinaus ist auf den Dörfern Bezahlung in Form von Naturalien durchaus noch

üblich.

Manche, vor allem qualitativ bessere, Medikamente und Leistungen, wie zum

Beispiel niedrig dosierte Antibabypillen (ca. 5000 Rupiah) oder Zahnfüllungen (ca.

5000 Rupiah), sind nicht im Tarif enthalten und müssen nach festgelegten

Tariflisten extra bezahlt werden, wobei die Kosten je nach Qualität und Dosierung

differieren können. Möchte man zu einem Facharzt oder bevorzugt man

ausländische Medikamente und Behandlungsmethoden, so können die

Behandlungs-und Medikamentenkosten schnell um das Drei-bis Fünffache

steigen. Ist man jedoch auf solch eine Behandlung oder auf ein bestimmtes

Medikament wirklich angewiesen, so ist eine Behandlung im PUSKESMAS trotz

der erhöhten Tarife nach wie vor günstiger als eine entsprechende Behandlung in

einem staatlichen Krankenhaus.

Obwohl die Behandlungstarife vorgeschrieben sind, gibt es auch PUSKESMAS,

die höhere Tarife verlangen mit der Begründung, durch die Mehreinnahmen

bessere Qualität und vollständigere Ausstattung zur Verfügung stellen zu können.

Wiederum andere PUSKESMAS bieten durch die Verschiebung von

Behandlungszeiten (zum Beispiel ein späterer Beginn der

Nachmittagsbehandlungen) billigere Tarife als vorgeschrieben an.

Da die von der Regierung zugewiesenen Geldmittel bei weitem nicht ausreichen,

um auch wirklich alle PUSKESMAS effizient betreiben zu können, fährt man in

manchen Distrikten mittlerweile eine Politik der Partizipation der Bevölkerung. So

wird die Bevölkerung aufgerufen, Hilfs-und Transportmittel wie Mopeds, Autos,

34 Injil Abu Bakar, Quick Fix at the Puskesmas

35 Azwar, A. / Prihartono, J., S.122

 

Karren etc., aber auch konkrete Mitarbeit (zum Beispiel von den Frauengruppen

eines Dorfes) bereitzustellen.36

· Die Mitarbeitersituation heute

Mangelhafte Ausstattungen, geringe Gehälter und die daraus resultierende

Notwendigkeit, neben seinem Beruf noch einen anderen Beruf, wie zum Beispiel

in der Landwirtschaft, ausüben zu müssen, machen das Arztsein auf dem Lande

eher unattraktiv. Das hat zur Folge, dass es gerade in abgelegeneren Gebieten oft

keinen studierten Arzt in den PUSKESMAS gibt. Da man aber mit dem

PUSKESMAS Konzept eine landesweite und vor allem flächendeckende

Basisgesundheitsversorgung errichten wollte, führte man, um das Problem der

Unattraktivität des Landes zu lösen, ein gestaffeltes Einkommenssystem ein37.

Ärzten, die bereit waren, in sehr isolierten Gegenden zu arbeiten, zahlt man

höhere Gehälter, als Ärzten, die ihren Beruf in einer Stadt oder in einem

Touristenzentrum ausüben. Trotz dieser Regelung hat man das Problem jedoch

nicht in den Griff bekommen, was an den privaten Sprechstunden liegt, die die

Ärzte am Nachmittag nach ihrem Dienst im PUSKESMAS anbieten. Die direkten

Einkünfte, die mit diesen Sprechstunden erzielt werden, liegen zwar in einer

legalen Grauzone, werden aber vom Staat mehr oder weniger geduldet. Ein Arzt,

der in der Stadt praktiziert, hat somit trotz offiziell niedrigerem PUSKESMAS

Gehalt vom Staat wegen der höheren Privatpatientenzahlen immer noch ein

höheres Einkommen, als ein vom Staat besser bezahlter Arzt in einer isolierten

Gegend, in der es nur wenige Privatpatienten gibt. Die Tatsache, dass der Staat

auch oft genug die Gehälter nicht pünktlich oder überhaupt nicht bezahlt, erhöht

die Bedeutung dieser Nebeneinkünfte durch Privatpatienten. PUSKESMAS Stellen

in der Stadt, aber vor allem auch auf Bali oder in anderen Touristengebieten, sind

daher sehr begehrt und oft mit langen Wartezeiten oder hohen

Bestechungszahlungen verbunden.38

Fertig studierte, junge Ärzte werden nach wie vor zu einem mehrjährigen Dienst in

PUSKESMAS geschickt. Wegen der bereits genannten kulturellen und ethnischen

36 Perkembangan Puskesmas, S. 3

37 Injil Abu Bakar, Quick Fix at the Puskesmas

38 Vor allem während der Regierungszeit Soehartos konnten Ärzte, die über die notwendigen Mittel

beziehungsweise Verbindungen verfügten, sehr leicht begehrte Arbeitsstellen in beliebten Orten bekleiden.

Injil Abu Bakar, Quick Fix at the Puskesmas

 

Probleme haben sie jedoch mittlerweile ein grobes Mitspracherecht, was ihren

zukünftigen Einsatzort betrifft.

Häufig ist es auch so, dass Krankenschwestern die Rolle von Ärzten übernehmen,

da diese sich oft als Manager in den PUSKESMAS verstehen. Ärzte koordinieren,

überwachen und regeln die administrativen Angelegenheiten, gehen auf

Konferenzen und Fortbildungen, während die Krankenschwestern den eigentlich

Dienst in den Gesundheitsstationen übernehmen. Dadurch sind sie nicht selten

genauso hoch angesehen wie ihre studierten Vorgesetzten. Meistens haben sie

auch ihre eigenen privaten Sprechstunden am Nachmittag, die durch die

niedrigeren Behandlungskosten, den besseren Kontakt mit der Lokalbevölkerung

und das höhere Vertrauen, das man ihnen entgegenbringt, oft besser florieren, als

die der Ärzte. Gerade in ländlichen Gegenden, in der die traditionelle Medizin

einen herausragenden Stellenwert einnimmt, können die Krankenschwestern mit

ihrem Wissen um diese Medizin ihr Ausbildungsdefizit zu den studierten Ärzten

wett machen.39

· Klientel

Obwohl die PUSKESMAS von allen Schichten der Bevölkerung besucht werden,

überwiegt die arme Bevölkerung mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen

von 150.000 Rupiah40. Wer ein PUSKESMAS besucht und wie häufig es

frequentiert wird hängt ganz erheblich von seiner Lage, also von seinem

Einzugsgebiet ab. Lange oder beschwerliche Fußwege sowie hohe

Transportkosten halten Patienten von einem Besuch im PUSKESMAS ebenso ab,

wie falsche Vorstellungen über Behandlungstarife, die nicht selten von den

Vertretern der traditionellen Medizin verbreitet werden.41

Bei leichten oder chronischen Beschwerden werden nach wie vor eher traditionelle

Heiler vorgezogen, da diese im Gegensatz zur in PUSKESMAS angewandten

westlichen Medizin ganzheitlich ausgerichtet sind. Oft wird aber auch eine

Kombination aus beiden Systemen angewandt, die nicht selten von den

traditionellen Heilern mitunterstützt wird. Nach A. Azwar und J. Prihartono

39 Sciortino, Rosalia, 1996, S. 116 ff.

40 E-Mail von Deddy Ferry, 18. Juni 2003

41 Seminar Dezentralisierte Armut und Gesundheitsentwicklung in Indonesien, Prof. Dr. S. Gerke

 

schicken ein Großteil der traditionellen Heiler auf Java ihre Patienten in ein

PUSKESMAS, wenn sie selbst der Meinung sind, dass sie keine wirksame

Heilungsmethode beherrschen oder kennen. Ebenso geht auch ein Großteil der

traditionellen Heiler selbst bei Krankheit in ein PUSKESMAS.42

4. Webring DINKES Karawang:

Ein Beispiel für neue Entwicklungen bei den PUSKESMAS

Im hauptsächlich landwirtschaftlich geprägten Verwaltungsbezirk Karawang in

West Java, stehen den 1.897.641 Einwohnern insgesamt 41 PUSKESMAS und

sieben Krankhäuser zur Verfügung. Der von der regionalen Gesundheitsbehörde

in der Bezirkshauptstadt Karawang ins Leben gerufene Webring43 kann als ein

gutes Beispiel für eine moderne Weiterentwicklung bei den PUSKESMAS

angeführt werden. Das am 2. April 2003 gestartete Pilotprojekt, das sich nach wie

vor in der Test-und Aufbauphase befindet, hat zum Ziel, durch eine umfassende

Vernetzung aller PUSKESMAS im Internet, effektiveres Arbeiten und eine

verbesserte Gesundheitskontrolle zu ermöglichen. Dabei hat sich Karawang eine

eigene Definition von Gesundheit formuliert, die man auch als Oberziel der

regionalen Gesundheitspolitik bezeichnen könnte:

Orang yang sehat, dalam arti tidak menderita suatu penyakit, sebenarnya tidak

membutuhkan suplemen makanan yang bertujuan memberikan tambahan asupan

gizi bagi tubuhnya."44

Durch ein Redaktionsbüro in Karawang, das in die regionale Gesundheitsbehörde

(DINKES = Dinas Kesehatan) eingegliedert ist, werden für jedes PUSKESMAS ein

oder zwei Operatoren soweit ausgebildet, dass sie mit den Grundzügen des

Internets und dem Webring vertraut sind. Nach dieser kurzen Ausbildung haben

sie zur Aufgabe, in ihrem jeweiligen PUSKESMAS täglich mindestens eine Stunde

im Internet präsent zu sein, Anfragen von Patienten zu beantworten, aber auch

Daten und Informationen in Form von Tagesberichten über Besucherzahlen und

Patientendaten sowie Ankündigungen über Veranstaltungen etc. an das

Redaktionsbüro weiterzuleiten. Bei technischen Schwierigkeiten bekommen die

Operatoren weiterhin Hilfe von der Dinas Kesehatan. Die Redaktion in Karawang

42 Azwar, A. / Prihartono, J., S. 114 f.

43 http://dinkeskarawang.com/

44 Sinngemäße Übersetzung von K. Mende und D. Tydecks:

Gesunde Menschen, das heißt Menschen, die nicht an einer Krankheit leiden, benötigen eigentlich keine

Nahrungsergänzungen, die ihren Körpern zusätzliche Nährstoffe geben sollen.

 

kumuliert und wertet die Daten aus und legt eine regionale Datenbank an.

Insgesamt sind bereits 28 der 41 in diesem Bezirk etablierten PUSKESMAS an

den Webring angeschlossen.

Der Webring arbeitet auf zwei verschiedenen Ebenen: Zum einen soll durch einen

mit Passwort geschützten Bereich die Kommunikation der PUSKESMAS

untereinander verbessert und erleichtert werden, wobei vor allem PUSKESMAS in

abgelegeneren Gebieten, die nicht am direkten Austausch teilnehmen können,

profitieren sollen. In diesen PUSKESMAS-internen Bereich fällt auch das

Weiterleiten von Tagesprotokollen zur Erstellung von regionalen Datenbanken

(siehe Tabelle 3), die maßgeschneiderte Gesundheitsprogramme für diese Region

ermöglichen, und zudem auch als effektives Frühwarnsystem beim Erkennen von

sich ausbreitenden Krankheiten in diesem Bezirk fungieren sollen.

Tabelle 3:

INFORMASI ONLINE TOTAL 10 BESAR PENYAKIT

No. Penyakit Terbesar Sampai Hari ini Terdata

1 Infeksi Saluran Pernafasan Atas Akut 6086 Pasien

2 Diare & Gastroneteris 3933 Pasien

3 Influensa 3523 Pasien

4 Tukak Lambung 3167 Pasien

5 Batuk 2897 Pasien

6 Dermatitis lain Tidak Spesifik 1821 Pasien

7 Demam Tidak Diketahui Sebabnya 1759 Pasien

8 Hipertensi Primer 1633 Pasien

9 Gangguan Pada kulit 1478 Pasien

10 Gangguan Gigi & Penunjang Lain 1457 Pasien

Tabelle aus der Datenbank des Webrings45. Die 10 häufigsten Krankheiten im Bezirk Karawang46

Zum anderen soll auch den Patienten die Gelegenheit gegeben werden, ihre

Fragen und Anregungen an die PUSKESMAS-Mitarbeiter über das Internet

abzuwickeln. Besucherforen, ein Gästebuch und eine ebenfalls mit einem

Passwort geschützte Beratungszone sind schon eingerichtet worden.

Aber nicht nur das Sammeln und Kumulieren von Daten, sowie die persönliche

Patientenbetreuung, sondern auch der Aspekt des Bereitstellens von

45

http://dinkeskarawang.com/ Informasi Online Total 10 Besar Penyakit (Daten von April-Juni 2003)

46 Übersetzung der Krankheiten: 1) akutes Atemwegssyndrom, 2) Diarrhö, 3) Grippe, 4) Magengeschwüre, 5)

Husten, 6) nicht spezifische Hautentzündungen, 7) Fieber bei dem man die Gründe nicht kennt, 8)

Bluthochdruck, 9) Hautprobleme und 10) Probleme mit den Zähnen und andere Behandlungen

 

Informationen für die breite Öffentlichkeit steht im Vordergrund. So ist die

Homepage des Webringes eingeteilt in unterschiedliche, sehr breit gefächerte

Kategorien, wie etwa Keterangan (Informationen [über Krankheiten,

Vorbeugemaßnahmen, Gesundheitstipps etc.]), Short Message Health Service,

Informasi Wilayah (Basisinformationen über die Region) und Hiburan / Cerita Lucu

(Unterhaltung / Witziges).

Durch regelmäßig erstellte PUSKESMAS Rankings über die Häufigkeit der

eingesandten Tagesberichte und Protokolle, soll in einer Art internen

Wettbewerbssituation der Ehrgeiz und somit auch die Effizienz der PUSKESMAS

in dieser Region noch gesteigert werden.

Das System soll in seiner Vorbildsfunktion auch anderen Bezirksregierungen

Anregungen geben einen solchen oder ähnlichen Kommunikationsring

aufzubauen. Anfragen kamen bereits aus Padang / West Sumatra. Als Oberziel

wird die Internet Vernetzung aller PUSKESMAS in Indonesien genannt, was

aufgrund der Tatsache, dass nach wie vor nicht alle Regionen Indonesiens (vor

allem auf den Außeninseln) an Strom, geschweige denn an das Internet

angeschlossen sind, noch ziemlich utopisch ist.

5. Fazit: Akzeptanz und Erfolg des PUSKESMAS Konzeptes

Dass gerade in Indonesien Selbstmedikation noch sehr weit verbreitet ist, dass

viele Frauen mit Kleinkindern nicht regelmäßig an denen für sie bestimmten

Programmen teilnehmen, sich also nicht selten die eigentliche Zielgruppe

überhaupt nicht angesprochen fühlt, sind Aspekte, bei denen leicht die Frage

aufkommt, ob die vorhandenen PUSKESMAS und Gesundheitsprogramme

eigentlich effektiv und zielgruppengerecht ausgerichtet sind und dementsprechend

auch funktionieren. Und stellen die PUSKESMAS wirklich

Basisgesundheitsversorgung für Alle, also auch für die Ärmsten der Armen sicher?

Die für die Armen immer noch hohen Behandlungs-und Transportkosten, dazu

der Ausfall mindestens einer Arbeitskraft für die Dauer der Behandlung, halten sie

oft von einem Besuch in der Gesundheitsstation ab. Darüber hinaus schrecken

eine eher unpersönliche, ungewohnte Atmosphäre sowie die oft schnelle

Abfertigung, bei der Eigendiagnosen und soziales Umfeld der Patienten häufig

 

nicht genügend beachtet werden, nicht nur die Ärmsten der Armen ab.

Traditionelle Behandlungsmethoden, die nicht nur den ärmeren Patienten eher

vertraut sind, werden meistens nicht ausreichend angewendet.

Das von der indonesischen Gesundheitsbehörde aufgestellte Ziel den Dienst an

der Bevölkerung in den Vordergrund zu stellen, mit der Prämisse, den optimalen

Grad an Gesundheit zu erreichen, wäre unter Beachtung dieser Argumente nicht

gegeben. Auch ist die Frage, in wie fern neuere Ergebnisse aus Wissenschaft und

Forschung beachtet und genutzt werden, beziehungsweise was damit überhaupt

gemeint ist. Ist es überhaupt notwendig, bei der Bereitstellung von

Basisgesundheitsversorgung um jeden Preis immer auf die neusten Ergebnisse

aus Wissenschaft und Forschung zurückzugreifen, oder sollte man nicht lieber viel

öfter auf altbewährte, akzeptierte Behandlungsmethoden vertrauen. Natürlich ist

damit nicht gemeint, dass man auf alle technischen, medizinischen und

pharmazeutischen Neuerungen verzichten sollte. Selbstverständlich ist es bei der

Fülle der heutigen Krankheiten absolut notwendig, stets auf dem neusten Stand

der Möglichkeiten zu sein.

Obgleich ein großer Teil der vom indonesischen Gesundheitsministerium

ausgewiesenen PUSKESMAS nur mangelhaft mit Personal und Ausstattung

ausgerüstet und oft nicht immer besetzt sind, geschweige denn effektiv arbeiten,

sind die PUSKESMAS gerade in abgelegeneren Gebieten eine wirkliche

Bereicherung. Dort, wo sie gut funktionieren (vor allem in Gebieten mit hoher

Bevölkerungsdichte wie auf Java), stellen sie mit ihrer Lage vor Ort und ihren

niedrigen Behandlungstarifen eine echte Alternative zu den Krankhäusern dar,

deren höheren Behandlungskosten in den meisten Fällen unerschwinglich für die

arme Bevölkerungsschicht sind. Auch werden die von der Regierung

ausgearbeiteten und von den PUSKESMAS durchgeführten Programme wie

BALITA, KIA und KB, die das Basiskonzept umfassend erweitern, immer mehr

akzeptiert.

Auch wenn immer wieder von Konkurrenz zwischen den PUSKESMAS und

traditionellen Heilern die Rede ist, macht die Tatsache, dass immer häufiger beide

Heilmethoden, bzw. eine Kombination aus beiden angewandt wird, deutlich, dass

zwischen beiden Systemen durchaus eine Zusammenarbeit besteht. So wie man

in manchen PUSKESMAS einen Kräutergarten mit traditionellen Heilpflanzen

 

findet, so schicken traditionelle Heiler ihre Patienten durchaus auch in ein

PUSKESMAS, wenn ihnen Krankheiten unbekannt, oder die entsprechenden

Heilmethoden nicht geläufig sind. Dies ist nur eines von zahlreichen Argumenten,

die man bei der These, dass sowohl das traditionelle als auch das westliche

Medizinsystem in Indonesien nebeneinander weiterbestehen werden, anführen

könnte. Und das wiederum beweist, was für ein wichtiger und notwendiger

Bestandteil die PUSKESMAS im indonesischen Gesundheitssystem, trotz starkem

traditionellen Medizinsektor, bereits darstellen.

In einer abschließenden Betrachtung der zu Anfang dargestellten Definitionen von

Gesundheit und PUSKESMAS des indonesischen Gesundheitsministeriums, lässt

sich feststellen, dass diese selbst gesteckten Ziele noch nicht vollständig erreicht

sind. Dies kann daran liegen, dass sich einem schnell der Eindruck vermittelt,

dass die verschiedenen Gesundheits-und Hygieneprogramme zwar eigene,

erreichbare Ziele verfolgen, im großen und ganzen aber scheinbar unverbunden

und ohne realistisches Oberziel nebeneinander stehen. Auch haben die einzelnen

Projekte und Programme oft keine gut funktionierende Kontroll-und

Überwachungsmechanismen, wodurch eine standarisierte

Basisgesundheitsversorgung nicht gegeben werden kann. Dies bezieht sich

sowohl auf die Überprüfung der erreichten Ziele, als auch auf eine sinnvolle und

angemessene Kontrolle des Personals und der sonstigen Mitwirkenden. Auch in

dem neuen, groß angelegten Programm Healthy Indonesia 2010, sind diese

scheinbar nicht vorhanden, obgleich hier, wenn auch unrealistische, Oberziele

gesteckt wurden.

Trotz dieser gravierenden Mängel und Unstimmigkeiten hat sich jedoch im Laufe

der Zeit die Gesundheitssituation und auch die Basisgesundheitsversorgung in

Indonesien wesentlich verbessert, und auch die PUSKESMAS sind, wie bereits

mehrfach erwähnt, ein fester, wenn auch verbesserungsfähiger, Bestandteil im

Sozialsystem geworden.

 

6. Abkürzungsverzeichnis

BALITA Bawah Lima Tahun (Programm für Kinder unter

fünf Jahren)

DINKES Dinas kesehatan (Gesundheitsbehörde)

KB Keluarga Berencana (staatl. Programm zur

Familienplanung)

KIA Kesejahteraan Ibu dan Anak (Wohlfahrt von

Mutter & Kind)

REPELITA Rencana Pembanguan Lima Tahun

(Fünfjahresplan)

PERDA Peraturan daerah (Lokalverordnungen)

PUSKESMAS Pusat Kesehatan Masyarakat (öffentliche

Poliklinik)

RAKERKESNAS Rapat Kerja Kesehatan Nasional (nationale

Arbeitsgruppe zu Gesundheit)

UNICEF United Nations Children´s Fund (Kinderhilfswerk

der Vereinten Nationen)

WHO World Health Organization

(Weltgesundheitsorganisation)

7. Quellenverzeichnis

Bücher

-Azwar, A. / Prihartono, J., 1977, Health Care in the Sub-district of

Serpong”. In: Zuidberg, Lida C.L. (ed), Family Planning in Rural West Java.

The Serpong Project. Leiden: Institute of Cultural and Social Studies, S.

105-132

-Lehrforschung Indonesien unter der Leitung von Solvay Gerke, 1991,

Gesundheitsversorgung im informellen Sektor einer javanischen Stadt,

Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, Forschungsschwerpunkt

Entwicklungssoziologie

-Merkx, Kitty / da Cunha Maria/ Endah, Sjamsoeddin R., 1979, Daerah Kerja

PUSKESMAS Pademangan Timur Melania, ATMA JAYA, Jakarta

Indonesia

-Schwinghammer, Eva, 1997, Neue Wirtschaftskonzepte in Indonesien und

Malaysia, Voraussetzungen und Auswirkungen im Vergleich, Mitteilungen

des Instituts für Asienkunde in Hamburg, Band 278

-Sciortino, Rosalia, 1996, Rural nurses and doctors, The discrepancy

between Western concepts and Javanese practices”. In: Boomgard, Peter

(ed), 1996, Health care in Java, Leiden: KITLV Press, S. 111-128

Aufsätze im Internet

-Injil Abu Bakar, 15. April 2002 Quick Fix at the Puskesmas” ,

http://www.seasite.niu.edu/flin/Latitudes/puskesmas.htm

-Noriko Izumi, Programme d’hygiène et d’assainissement à l’école au

Lombok de l’Est, en Indonésie, http://www.irc.nl/sshe/nn/nn0103f.html

-SH, ruth hesti utami,9.April 2003, Ketika Tarif Berobat di Puskesmas Tidak

Transparan, Sinar Harapan,

http://www.sinarharapan.co.id/berita/0304/09/jab08.html

 

Internetquellen

-Departemen Kesehatan Indonesia (Webpage)

www.depkes.go.id/IND/INFO/PUSKESMAS/puskes/Puskesmas.htm (Pusat

Kesehatan Masyarakat) und

www.depkes.go.id/IND/INFO/PUSKESMAS/puskes/Perkembangan.htm

(Perkembangan Puskesmas)

-Dinas kesehatan kabupaten Karawang, http://dinkeskarawang.com/ (WEB

Dinkes Karawang) vor allem folgende Aufsätze:

o Bagaimana Cara Kerja Sistem WEB Dinkes Karawang

o Rangking tertinggi puskesmas Jomin dalam melaksanakan sistem

pengiriman data

o Informasi Online Total 10 Besar Penyakit

o Keberhasilan sistem pengiriman data oleh Puskesmas Wanakerta

o Puskesmas Percontohan

o PUSKESMAS di Kabupaten Karawang dan kemampuan yang

dimiliknya

o Informasi kabupaten Karawang secara umum / batas Wilayah

-Informationen über das Gesundheitswesen in Indonesien von diversen

Internet Seiten:

o www.reintegration.net/indonesien/#Medizinische%20Versorgung

(Informationen über medizinische Versorgung, Gesundheitsstandard,

Gesundheitseinrichtungen und Finanzen)

o www.who.int/country/mys/en/ (WHO Statistik zu Malaysia)

o www.who.int/country/deu/en/ (WHO Statistik zu Deutschland)

o www.who.int/country/en (WHO Statistik zum Gesundheitswesen in

Indonesien)

o www.who.int/whosis/country/indicators.cfm?country=IDN&language=e

nglish (WHO Statistik zu Indonesien)

o http://www.psychologie.uni-freiburg.de/umwelt-spp/proj/proj-22.html

(Zahlen für Indonesien Ende der 1960er Jahre)

o http://www.geocities.com/pkmpamotan/page2.html (Definition für

Gesundheit)

Sonstiges

-E-Mail aus dem PUSKESMAS Cibuaya Karawang vom 18. Juni 2003

-E-Mail aus dem PUSKESMAS Anggadita vom vom 20. Juni 2003

-Mitschrift aus dem Seminar Dezentralisierte Armut und

Gesundheitsentwicklung in Indonesien, gehalten von Frau Prof. Dr. Solvay

Gerke im Sommersemester 2003 an der Universität Bonn.

-Südostasien aktuell, 04 / 03 (Juli 2003), Institut für Asienkunde Hamburg

 

8. Anhang

 

PERKEMBANGAN PUSKESMAS

PERIODE PRA PELITA

Tahun 1950

Balai Pengobatan, Usaha Hygiene Sanitasi Lingkungan dan Vaksinasi cacar.

Tahun 1951

Prof.Sulianti merintis pelayanan kesehatan pencegahan untuk Ibu Hamil, Bayi dan

Anak-anak dalam bentuk Balai Kesejahteraan Ibu dan Anak ( BKIA ) Pelayanan

Kesehatan masih bersifat pelayanan kepada perorangan.

Tahun 1951

Dr. J.Leimena menyelenggarakan Bandung Plan. Isi "Bandung Plan" antara lain

mengenai pemikiran suatu sistem pelayanan kesehatan secara terintegrasi dan

bersifat menyeluruh. Petugas kesehatan bekerja dalam satu kelompok kerja (team

work) dan dibawah satu pimpinan.

Tahun 1956

Prof.Sulianti mengembangkan daerah percontohan Kesehatan Masyarakat Desa di

Kecamatan Lemah Abang, Kawedanan Cikarang Kabupaten Bekasi karena ide

mengenai Health Services dengan Team Work dan Team Approach telah

dilaksanakan.

 

Tahun 1960

Lemah Abang dijadikan daerah Latihan dan Percontohan kesehatan. Ide tersebut

merupakan cikal bakal dirintisnya konsep pelayanan kesehatan secara terintegrasi

masyarakat. Kemudian daerah latihan dan percontohan ini dikembangkan di

berbagai Provinsi dan menyeluruh, selanjutnya disebut Health Centre.

Tahun 1967

Diadakan Seminar Konsep Puskesmas di Ciloto, antara lain dibahas kertas kerja

Dr.Achmad Dipologo, mengusulkan 5 jenis Puskesmas, dan kertas kerja

Prof.Bagiastra mengusulkan 4 jenis Puskesmas.

Tahun 1968

Pada Rakerkesnas I memutuskan adanya 4 macam Puskesmas yaitu : Puskesmas

Tingkat Desa, Puskesmas Tingkat Kecamatan, Puskesmas Pembina dan Puskesmas

Tingkat Ibu Kota Kabupaten.

PERIODE PELITA I

Disusun Master Plan of Operation for strengthening :

Tahun 1969

National Health Services in Indonesia. ( Kerjasama antara Pemerintah Indonesia

dengan UNICEF . Dalam dokumen tersebut Puskesmas dibagi dalam 3 type yaitu :

Puskesmas type A (Puskesmas Pembina), Puskesmas type B (Puskesmas

Kecamatan), Puskesmas type C (Puskesmas Desa).

Tahun 1970

Pada Rakerkesnas III dibahas bahwa Puskesmas dengan beberapa type Puskesmas,

tidak memungkinkan untuk dikembangkan, karena persyaratan tenaga tidak dapat

dipenuhi. Oleh karena itu dalam Rakerkesnas III memutuskan bahwa hanya dikenal

satu macam Puskesmas.

Dengan batasan (Definisi) sebagai berikut : Merupakan suatu kesatuan organisasi

fungsional, memberikan pelayanan secara menyeluruh, dalam satu Wilayah Kerja

tertentu, dengan Usaha-usaha pokok sebagai berikut : Pengobatan, KIA dan KB.

Pencegahan dan Pemberantasan Penyakit Menular, Hygiene dan sanitasi

lingkungan, pendidikan kesehatan kepada masyarakat, Perawatan kesehatan

masyarakat, serta pengumpulan data untuk perencanaan dan penilaian program.

Pada tahun 1970 belum mungkin dipimpin oleh seorang Dokter, Pembagian

wilayah administrasi belum seragam di Seluruh Indonesia. Maka kebijaksanaan

yang ditempuh adalah beberapa Puskesmas dibina oleh sebuah TEAM PEMBINA

PUSKESMAS yang dipimpin oleh seorang Dokter.

Tahun 1972

Seminar Manajemen Kesehatan di Ciloto. menekankan bahwa wilayah kerja

Puskesmas adalah satu Kecamatan. Selanjutnya dibuat kriteria pembentukan

Puskesmas : konsep Wilayah Kerja, onsep Usaha Kesehatan, konsep Tenaga.

Tahun 1973

Diselenggarakan Seminar Manajemen Kesehatan yang intinya menyempurnakan